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Ich will der sein, der sich freut

Vorwärts denken

Er weiß, wie es ist, wenn man etwas hinter sich lassen muss. Er kennt sich aus mit dem Gefühl, das Neue nicht herbeigesehnt zu haben, weil er mit dem Alten ganz zufrieden war. Dr. Peter Tauber hat viel erlebt und ist dem Tod nur mit knapper Not entkommen. Auch eine ganz neue Erfahrung – seitdem feiert er zwei Mal Geburtstag. Heute nimmt er uns mit auf einen Streifzug durch seine Seele und fordert von uns ein klares Bekenntnis.

Manchmal sitze ich vor diesem weißen Blatt. Anfangen mit etwas Neuem ist gar nicht so leicht. Das geht schon beim Schreiben los. Nehme ich ein Blatt Papier und bunte Stifte, um mir etwas aufzuschreiben, oder nutze ich das Dokument auf meinem Computer? Auch da strahlt mich der Bildschirm dann ja weiß an. Das weiße Blatt gibt es nicht nur beim Aufschreiben eines Gedankens, eines Briefes oder dieser Kolumne. Auch im Alltag haben wir ja unsere lieb gewonnenen Rituale, Gewohnheiten. Es gibt Dinge, die uns vertraut sind, und die sollen möglichst so bleiben wie sie sind. Das gibt uns Halt und Sicherheit. Warum sollte sich etwas ändern? Lieber alles so lassen wie es ist. Wer weiß, ob es besser wird!

Was ist mir lieb und teuer?

Es gibt verschiedene Arten, neu anzufangen. Es gibt den Neuanfang aus freien Stücken. Wir wollen etwas ändern. Wir freuen uns darauf. Und wir haben Stationen im Leben, da war das so. Meistens hat man sich am Ende der Schulzeit auf das „neue Leben“ gefreut, den Beginn einer Ausbildung oder des Studiums. Der Neuanfang aus innerer Einsicht ist eine andere Variante des Neuanfangs. Wir wollen im Prinzip nichts ändern, aber wir haben verstanden, dass es notwendig ist. Sonst kommen wir nicht voran, sonst können wir nicht das bewahren, was uns eigentlich lieb und teuer ist. Es muss eben sein. Dann gibt es aber auch den Neuanfang, der vom Ende überlagert wird. Beim Scheitern einer Beziehung, wenn man den Arbeitsplatz verliert. Wenn wir also unfreiwillig etwas Neues beginnen müssen. Da ist es gar nicht so leicht, im Neuanfang etwas Gutes zu sehen. Es fällt uns dann besonders schwer, den Blick vom Vergangenen zu lösen.

Und spontan denke ich gerade beim Schreiben: Allen drei Situationen ist aber das Neue gemeinsam. Kommt es also vor allem auf uns an? Wie dem Neuen begegnen? Abwehrend? Unwillig? Oder mit Neugier, vielleicht sogar mit Hoffnung, dass es (wieder) gut oder sogar besser wird?

Der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hat einmal gesagt: „Wenn wir bewahren wollen, was wir haben, werden wir vieles ändern müssen.“ Diese Einsicht ist gar nicht so leicht zu erlangen. Was Goethe uns rät, ist aber das Folgende: Wir sollen prüfen, was uns eigentlich wichtig ist. Und wenn wir das erkannt haben, dann müssen wir sogar bewusst Dinge hinterfragen, damit das Wesentliche bewahrt werden kann. Keine leichte Übung, finde ich. Es zeigt aber, dass das Neue notwendig ist. Der Wandel ist also eher die Regel und nicht die Ausnahme. Das macht es leichter, Veränderungen anzunehmen.

„Kommt es also vor allem auf uns an? Wie dem Neuen begegnen? Abwehrend? Unwillig? Oder mit Neugier, vielleicht sogar mit Hoffnung, dass es (wieder) gut oder sogar besser wird?“

Nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung

Als Reserveoffizier habe ich neben dem Dichterfürsten aus meiner Heimatstadt auch meinen alten Moltke gelesen. Der preußische Schlachtenlenker, von Zeitgenossen auch der „große Schweiger“ genannt, hat folgenden Satz geprägt, der bis heute ein Grundsatz militärischen Handelns und Entscheidens ist: „Nichts ist so beständig wie die Lageänderung.“ Und der Satz beschreibt auch unser aller Leben recht gut. Denn kaum haben wir uns an etwas gewöhnt, so ist der Wandel, die Veränderung und gar das Ende, und damit etwas Neues, nicht weit. Nichts bleibt, wie es ist. Und wir haben keinen Anspruch darauf, dass wir entscheiden können oder wissen, was kommt. Wir müssen uns zum Neuen verhalten – und das möglichst klug. Wenn wir uns zu lange mit Hader und Ärger aufhalten, weil das Neue nicht gewollt ist, dann verpassen wir die Möglichkeit, dem Neuen unseren Stempel aufzudrücken.
Der Heilige Franz von Sales hat geschrieben: „Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung.“ Er unterscheidet nicht, ob das Neue erhofft, erbeten, auferlegt oder ungefragt über uns kommt. Das Neue kann gut werden. Davon ist er überzeugt. Das ist doch ein schönes Bild. Es liegt also an uns, was wir auf das weiße Blatt Papier schreiben. Franz von Sales weiß um die Schwächen von uns Menschen. Die hat er ziemlich klar im Blick. Aber es geht ihm darum, sich nicht an den Fehlern festzuhalten. Sein Blick ist stets optimistisch.  

Das Neue ist schon da!

Eine meiner liebsten Stellen aus dem Neuen Testament stammt aus einem Brief des Paulus an die Korinther. Der Apostel beschäftigt sich dort mit dem Neuen. Er schreibt an die Gemeinde in Korinth: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Das Neue ist dem Christsein eigen. Es beginnt mit der Taufe. Ob am Weihnachtsfest, wenn wir die Geburt Jesu feiern, oder an Ostern, wenn wir seiner Auferstehung nach dem Tod am Kreuz gedenken: Immer steht das Neue im Mittelpunkt. Und das Gute an diesem Satz ist, dass wir als Christen jeden Tag neu anfangen können. Das ist eine Chance und keine Zumutung. Und dass seit über 2000 Jahren Menschen immer wieder begeistert der frohen Botschaft von Jesus Christus folgen, liegt wahrscheinlich daran, dass sie zeitlos neu ist. Nur wer sich auf das Neue freut, der wird sie als Verheißung empfinden. 

Für mich steht fest: Ich nehme mir vor, einer von denen zu sein, die sich freuen. Es gibt mir die Möglichkeit, mich auch selbst neu zu entdecken. Etwas besser zu machen. Das Vergangene hinter sich zu lassen, ist manchmal gut. Und wenn Wehmut damit verbunden ist, will ich sie in Dankbarkeit wandeln. Das Neue ist das, wofür wir leben. Das weiße Blatt ist jetzt beschrieben. Aber da mache ich mir nichts vor: Das nächste neue und unbeschriebene Blatt ist nicht fern. Spätestens, wenn es darum geht, meine nächste Kolumne zu schreiben, werde ich wieder hier sitzen. Worum’s dann geht? Keine Ahnung. Aber es wird etwas Neues sein. Und darauf freue ich mich.

Dr. Peter Tauber lebt aus Leidenschaft in Gelnhausen und ist ein echter Familienmensch. Er fährt gern tolle Autos, leidet an und mit Kickers Offenbach und meint als Historiker, Christ, Politiker und Mensch: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“ petertauber.de

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