Was macht Gott glücklich?

Gedanken

Manchmal stellt uns das Leben vor sonderbare Fragen. Sonderbar vielleicht auch deshalb, weil es darauf nicht zwingend belastbare Antworten gibt. Doch mit dieser Erkenntnis allein verschwindet nicht die Frage. So baten wir Henning Briesemeister, uns mitzuteilen, was er dazu denkt oder weiß.

Können wir uns zu Beginn der folgenden Gedanken darauf verständigen, dass wir nur auf sehr menschliche Weise von Gott reden können? Bei aller Wertschätzung der Heiligen Schrift als Wort Gottes. Sonst wird es nämlich schwierig, von dem zu reden, was Gott „glücklich“ macht.

Glück – das ist wohl eher etwas für den Augenblick, meint zumindest Herbert Grönemeyer, während Gottes Angelegenheit doch eher die Ewigkeit ist, oder?! Und dann finden sich in den Zeugnissen des Alten und Neuen Testaments eine Reihe von Makarismen, also Glück- und Seligpreisungen, die sich ausschließlich auf Menschen, nicht aber auf Gott beziehen! So werden die Menschen glücklich gepriesen, die weise leben und auf Gott vertrauen, oder solche, die am Ende der Zeit an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Nach diesen Vorbemerkungen wage ich es aber doch zu behaupten, dass es tatsächlich auch Spuren eines „glücklichen“ Gottes in der Schrift gibt:

Sehr gut!

Da ist der Schöpfungsbericht in der Genesis, in dem es nach dem 6. Tag mit Blick auf das Erschaffene heißt: „Und siehe, es war sehr gut!“ Gott als ein schöpferischer Künstler, der auf sein Werk schaut, es begutachtet und zu einem begeisterten Ergebnis kommt. Er ist deutlich mehr als nur zufrieden mit seinem Tun. Ob das Gott nicht glücklich macht ...?!

„Dann sagte Gott: »Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde.« So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau. Er segnete sie und sprach: »Vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz! Ihr sollt Macht haben über alle Tiere: über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere auf der Erde!« Und so geschah es. Schließlich betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr gut!“
1.Mose 1, 26 – 31, HfA

Miteinander!

Da sind die Psalmen, Gebete und Lieder im Alten Testament, in denen Menschen Gott ihr Herz auf den Tisch legen. Die ganze Spannbreite menschlicher Erfahrungen, Gedanken und Gefühle kommt zur Sprache: Sowohl Ängste und Sorgen, Vertrauen und Zweifel, Lobpreis und Klagen – mal im stillen Kämmerlein, mal in Gemeinschaft mit der versammelten Gemeinde. Und immer wieder auch die Erfahrung: „Vor dir ist Freude die Fülle.“ Das heißt doch: In der Begegnung mit dem lebendigen Gott und in seiner Nähe – gerade auch in der Zwiesprache mit ihm, im „Sein vor IHM“ – entsteht, erblüht, entwickelt sich Freude! Und das kann ich mir nicht einseitig vorstellen; das ruft mit Sicherheit eine Resonanz hervor. Ob das Gott nicht glücklich macht ...?!

„Ich sehe immer auf den HERRN. Er steht mir zur Seite, damit ich nicht falle. Darüber freue ich mich von ganzem Herzen, alles in mir bricht in Jubel aus. Bei dir, HERR, bin ich in Sicherheit. Denn du wirst mich nicht dem Totenreich überlassen und mich nicht der Verwesung preisgeben, ich gehöre ja zu dir. Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir; aus deiner Hand empfange ich unendliches Glück.
Psalm 16, 8 – 11, HfA

Wieder Zuhause!

Da ist die vertraute Geschichte vom verlorenen Sohn, an deren Ende ein Fest gefeiert wird: So wie der Vater in diesem Bericht glücklich ist, seinen verlorenen Sohn wiederzuhaben, so wird im Himmel ein Freudenfest gefeiert, wenn ein Mensch von falschen Wegen umkehrt und wieder in den Armen Gottes landet! Ob das Gott nicht glücklich macht ...?!

„Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. ›Vater‹, sagte der Sohn, ›ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.‹ Sein Vater aber befahl den Knechten: ›Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus und legt es meinem Sohn um. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt Schuhe für ihn! Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern! Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen ein fröhliches Fest“
Lukas 15, 20 – 24, HfA

Auftrag erfüllt!

Da ist das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden, in dem es darum geht, mit dem Anvertrauten zu wuchern, es zu mehren. Und der, der treu seinen Auftrag erfüllt, wird am Ende gelobt und belohnt – begleitet von den Worten seines Herrn: Geh hin-ein zu deines Herrn Freude! Entsprechend sollen also auch wir Menschen die Begabungen und Möglichkeiten, die Gott uns gegeben hat, einsetzen. Ob das Gott nicht glücklich macht, wenn wir es tun ...?!

„Der Mann, der fünf Zentner Silberstücke erhalten hatte, trat vor und übergab ihm zehn Zentner. Er sagte: ›Herr, fünf Zentner hast du mir gegeben. Hier, ich habe fünf dazuverdient. ‹Da lobte ihn sein Herr: ›Gut so, du bist ein tüchtiger und zuverlässiger Verwalter. In kleinen Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir Großes anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!‹“
Matthäus 25, 20 – 21, HfA

Das bleibt!

Was eben noch nach Arbeit und Mühe roch, ist in Wahrheit ein organischer Prozess: Im Gleichnis vom Weinstock und den Reben macht Jesus deutlich, dass aus der Verbindung mit ihm Gutes, „Frucht“ erwächst. Und das nicht etwa als Marketing-Maßnahme für Kirchen und Gemeinden, sondern als Hinweis auf den lebendigen Gott: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt.“ Verherrlichung Gottes – gelebter Lobpreis! Wenn unser Lebensstil und unsere Liebe zum Ausdruck bringen, dass wir im Glauben mit Christus verbunden sind – was kann es für den himmlischen Vater Schöneres geben?! Ob das Gott nicht glücklich macht ...?!

„Bleibt fest mit mir verbunden und ich werde ebenso mit euch verbunden bleiben! Denn eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Früchte tragen, sondern nur, wenn sie am Weinstock hängt. Ebenso werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, der trägt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts ausrichten.“
Johannes 15, 4 – 5, HfA

Tod besiegt!

Und da ist schließlich die Überzeugung des Apostels Paulus, dass am Ende des Auferstehungsgeschehens und am Ende aller Zeit die Macht des Todes, der Sünde und des Teufels durch Christus besiegt sein wird und Gott schließlich „alles in allem“ sein wird. Was für ein Ausblick! Ob das Gott nicht glücklich macht ...?!

„Wenn aber Christus zuletzt alles unterworfen ist, dann wird er als der Sohn Gottes sich seinem Vater unterordnen, der ihm diesen Sieg geschenkt hat. So wird Gott der Herr sein – über alle und in allem.“
1. Korinther 15, 28, HfA

Angekommen!

Und schließlich ein letzter Gedanke: Ist es nicht so, dass ein Liebender das Glück des Geliebten sucht?!
Als ein Glaubender, als ein nach Gott Fragender werde ich das „Glück“ Gottes suchen, indem ich nach seinem Willen frage und entsprechend lebe; weil ich mich von ihm geliebt weiß und glaube, dass er mein seliges „Glück“ will – nämlich: in Verbindung mit ihm zu leben und einmal in seinen liebenden Armen anzukommen. Entsprechend sagt Jesus: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm neh-men.“ (Joh. 14, 23). Die Liebe Gottes zum Menschen kommt ans Ziel. Also, wenn das Gott nicht glücklich macht!

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