Warum ich gebe, was ich habe

Ratgeber

Jeder ist sich selbst der Nächste. So sagt es der Volksmund und meint damit wohl, dass man schön auf sich selbst achten muss, wenn man es zu etwas bringen will. Dass Geben oft glücklicher macht als Nehmen, wird dabei völlig ausgeblendet. Gabi Hieber hat einen interessanten Weg hinter sich, und ein weitaus interessanterer liegt noch vor ihr.

Karatschi, Dezember 2019. Ich bin umgeben von 24 Millionen Menschen auf engstem Raum und denke darüber nach, warum und wie ich mein Glück an andere weitergebe. Ich dusche momentan kalt. Nicht, weil ich das bevorzuge, sondern weil es nicht anders geht. Ich plage mich seit Monaten mit Magenbeschwerden, weil ich das lokale Essen nicht vertrage. Ich bin als Frau extrem eingeschränkt und darf nicht allein vor die Haustüre. Ich unterrichte junge Menschen und zeige ihnen, wie der Weg in der Nachfolge Jesu im täglichen Leben aussieht. Das begeistert mich so sehr, dass ich die Nebeneffekte in Kauf nehme, weil ich das Glück, das ich in meinem eigenen Leben erhalten habe, aus ganzem Herzen großzügig weitergeben möchte. Auch in Ländern, in denen ich nicht freiwillig leben würde. Was ist meine Motivation? 

Ich liebe mein Leben

Mein Gottesbild ist hier das Entscheidende. Die Wesenszüge Gottes zu studieren, hat mir geholfen zu sehen, dass Gott allmächtig, ewig, unbeschreiblich groß und unergründlich ist. Für mich kleinen Menschen ist er nicht zu (er) fassen. Er ist komplett unabhängig und braucht niemanden. Trotzdem ist dieser Gott auch sehr persönlich, kennt mich und kümmert sich um mich. Er hat mich überschwänglich gesegnet in meinem bisherigen Leben: Familie, Möglichkeiten, Gaben, Erfahrungen, Wegbegleiter, Mentoren… Ich liebe mein Leben und bin sehr dankbar für alles, was Gott in es hineingelegt hat. Es ist unverdientes Glück, Gott kennen zu dürfen und als sein Kind in Beziehung mit ihm zu leben. 

Aber die Erkenntnis geht noch einen Schritt weiter: Gott braucht mich nicht, um etwas in dieser Welt zu bewirken. Doch er möchte mich und meine Gaben gebrauchen. Gott möchte sein Werk in dieser Welt nicht ohne mich vorantreiben. Was für ein Glück! Es spricht das menschliche Bedürfnis an, wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Und genau deshalb gebe ich gerne an andere weiter. 

„Ich liebe mein Leben und bin sehr dankbar für alles, was Gott hineingelegt hat. Es ist unverdientes Glück, Gott kennen zu dürfen und als sein Kind in Beziehung mit ihm zu leben.“

Ich will nicht zurückhalten

Seit dem Sündenfall schaut der Mensch automatisch auf sich selbst. Ich kenne das aus meinem eigenen Leben. Ich möchte am liebsten immer etwas für mich selbst zurückbehalten von dem, was ich bekomme. Doch Jesus gab den zwölf Aposteln einen Rat, ja eine klare Ansage mit auf den Weg, als er sie zum ersten Mal aussandte: „Teilt eure Gaben genauso großzügig aus, wie ihr sie geschenkt bekommen habt!“ (Matthäus 10,8, Neues Leben Übersetzung) Diese Welt braucht mehr großzügige Geber, die ihr Glück und ihre von Gott kostenlos und unverdient erhaltenen Segnungen reichlich austeilen. Wie könnte das im Leben umsetzbar werden? Jeder hat Gaben und Fähigkeiten von Gott erhalten, die er großzügig an andere weitergeben kann, damit sie praktisch weiterkommen im Leben: Ich kann vielleicht bei einer Steuererklärung helfen oder jemanden beim Hausbau unterstützen. Ich kann einer Person in meinem Umfeld mein offenes Ohr oder meine Gastfreundschaft anbieten. Ich kann einfach auch mal in meine Geldbörse greifen und jemandem gegenüber großzügig sein, ohne an mein Bankkonto zu denken. Ich kann einen jungen Menschen in meiner Gemeinde unter meine Fittiche nehmen und ihm als Mentor/in zur Seite stehen und biblische Prinzipien und Lebenserfahrungen weitergeben. 

Meine persönliche Erfahrung ist diese: Es erfüllt ungemein, wenn man sieht, wie Gott zu anderen Menschen spricht und sie segnet durch etwas, das man selbst weitergeben konnte. Und das spornt an, immer weiter und immer mehr zu geben!

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