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Äußerlich arm innerlich reich

Ratgeber

Das Kind im Staub, die Frau auf dem Feld, der Mann bestenfalls ein Tagelöhner. Bilder, die uns schnell in den Sinn kommen, wenn wir an Armut denken. Meistens sind es Bilder aus anderen Ländern, nicht von hier. Aber da müssen wir längst umdenken. Dass die äußere Armut indes etwas mit Glücklichsein zu tun hat, glaubt Eckart zur Nieden nicht. Er setzt gekonnt den Finger auf den Punkt und richtet unseren Blick neu aus.

Weil ich einen so seltsamen Namen habe, den sich meine Lehrlingskollegen nicht merken konnten, haben sie mich manchmal statt „zur Nieden“ einfach „zufrieden“ genannt. Aber das war eine unzutreffende Bezeichnung, denn zufrieden war ich nicht. Als Kind sah ich neiderfüllt, dass andere einen Tretroller hatten, und war unglücklich. Als ich endlich auch einen hatte, war ich trotzdem unzufrieden, denn jetzt hatten andere ein Fahrrad. Als ich schließlich auch eins besaß, schielte ich nach einem Motorrad. Wir Menschen neigen dazu, das Glück immer von dem zu erwarten, was wir nicht haben.

Symbol für das Glück

Wer einigermaßen nüchtern mit seinen eignen Gefühlen umgehen kann, kennt das Problem längst. „Je mehr er hat, je mehr er will“, sagt das Sprichwort. Wir kennen aus der Regenbogenpresse genügend Beispiele von Menschen, die alles erreicht haben, was man gemeinhin als Symbole für das Glück ansieht – Aktienpaket, Villa, Mercedes, 12-Meter-Yacht – und trotzdem nicht zufrieden sind. Oder von Stars, die sich trotz ihrer Berühmtheit das Leben nehmen, das ihnen nicht lebenswert erscheint. Und auf der anderen Seite gibt es Menschen, die bei bescheidenen Lebensverhältnissen eine beneidenswerte Zufriedenheit ausstrahlen.

Dank erhöht den Wert

Also liegt das Glück nicht am Geld oder am Ruhm. Woran aber dann? Was macht den Unterschied? Der Dank! Dank für das, was wir haben und sind, egal, ob das viel ist oder wenig. Dank erhöht seinen Wert. Dank legt auf alles einen Glanz. Er macht äußerlich Arme innerlich reich. Er macht öden Alltag zu einem Fest. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie würden alles auflisten, was Sie besitzen. Alles, wofür Sie gearbeitet haben, hart oder weniger hart. Alles, was Ihnen einfach so zugefallen ist. Ohne Ihr Zutun. Alles, was Sie um sich herum sehen und was Sie Ihr Eigen nennen. Inklusive der Menschen, die zu Ihnen stehen. Auch wenn die natürlich nie Ihr Eigentum sind. Sollten Sie dafür nicht uneingeschränkt dankbar sein?

Es lag in seinen Händen

Auch in unser Leben dringen „Soldaten“ ein, die viel Schönes in uns zerstören. Aus ehemals fröhlichen Menschen können nach Missbrauch, Betrug, Gewalt, Krieg und Mobbing zerstörte Menschen werden und entsprechende Biografien zurückbleiben. Die Persönlichkeit, so wie Gott sie sich gedacht hat, kann sich aufgrund dieser Erfahrungen nicht mehr entfalten. Im Gegenteil: Hass, Wut und Gedanken der Rache nisten sich ein in unseren Köpfen. Unsere Seelen sind – wie die Gärten von Heligan – am Boden zerstört. Was mich an dieser Heligan-Geschichte beeindruckt hat: Da war einer, der nicht wollte, dass diese Gärten verschüttet blieben. Diese Geschichte war sein Erbe, seine Vergangenheit. Es lag in seinen Händen, das Hässliche liegen und verfaulen zu lassen. Aber genauso lag es in seinen Händen, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen. Und genau dies tat er. Er versöhnte sich und hatte dadurch die Energie, etwas Neues zu gestalten.

Leider erlebe ich immer wieder Menschen, die ihr Leben lang in ihren „verlorenen Gärten“ herumstapfen und nicht bereit sind, diese neu und positiv zu gestalten. Ja, es ist wahr: Menschen verletzen Menschen! Ich rede da aus eigener Erfahrung. Als Kind wuchs ich in einer Alkoholiker-Familie auf. Diese Zeit hat Spuren hinterlassen. Lange Zeit spürte ich Wut, vor allem auf meine Mutter. Unzählige Male hatte sie mich schier zu Tode geprügelt. Jahre später noch hatte ich Angst vor ihr. Aber irgendwann wusste ich auch, dass diese Zeit der „verlorenen Gärten“ meines Lebens nicht meine Zukunft beeinflussen durfte. Ich brauchte einige Jahre, um das zu verstehen. Immer wieder fragte ich mich: „Weshalb hat meine Mutter all ihren Hass an mir ausgelassen?“ Eines Tages schenkte mir Gott eine Antwort: „Deine Mutter war überfordert mit ihrem Leben.“ Diese einfache Antwort war der Start, um mich mit meiner Vergangenheit zu versöhnen. Dies war die Grundlage, um mein Leben wieder zu gestalten und es selbst in die Hand zu nehmen. Mein Hass wurde durch Gottes Liebe in Vergebung umgewandelt.

„Dank legt auf alles einen Glanz. “

Heimatlos geborgen

Klar, wem wir zu danken haben. Nicht dem Zufall oder einem blinden Schicksal, sondern Gott, von dem wir alles haben. Der uns genau das zuteilt, was wir brauchen. Der uns, wenn wir uns von Menschen ungeliebt fühlen, mit seiner Liebe überschüttet, die er durch das Opfer seines Sohnes bewiesen hat. Der uns, wenn wir uns in dieser Welt heimatlos vorkommen, Geborgenheit schenkt. Der uns, wenn andere uns verachten, würdigt, seine Kinder zu sein. Er hat unseren Dank verdient. Zu ihm zu gehören, von ihm geliebt zu sein und seine Gaben mit Dank anzunehmen, ist das größte Glück.

Manchmal aber vergessen wir das. Dann ärgern wir uns über zu wenig Anerkennung oder sind neidisch auf den reichlichen Besitz anderer. Da ist es wichtig, immer wieder auf Jesus zu hören, der gesagt hat: „Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie nicht von Motten und Rost gefressen und von Dieben gestohlen werden!“ (Matthäus 5,19) Oder: „Macht euch keine Sorgen! Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch das alles zufallen.“ (Matthäus 5, 31 – 32).

Wenn wir das tun, alles aus Gottes Hand nehmen und ihm dafür danken, stellen wir verblüfft fest: Wir sind glücklich! Wir sind gelassen, geborgen und zutiefst zufrieden.

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