Wenn einer nur sich selbst braucht

Ratgeber

Kann man das nicht auch freundlicher sagen? Egoismus! Was für ein hartes Wort! Und doch: wir kennen es alle und es steckt auch in uns allen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Kennen Sie, oder? Was aber durchaus einen Kern Wahrheit in sich trägt, wird oftmals pervertiert und zur üblen Ausrede für die eigene Dickköpfigkeit herangezogen. Doris Schulte warnt vor der Gefahr einer solchen Haltung und rät, wie man´s besser machen kann.

Alle sind da, bis auf eine Person. Der Tisch ist zur Feier des Tages reichlich gedeckt, die Atmosphäre ist entspannt und die Gespräche sind mehr als nur Small-Talk. Und dann klingelt es an der Tür. Gut gelaunt öffnen wir und stehen vor einem genervten Gast, der mit seinem Tag wieder einmal nicht zufrieden ist. Ohne überhaupt „Hallo“ zu sagen, kommt er rein und schimpft weiter über all das, was seinen Erwartungen nicht entspricht. Dass man ihm nicht immer alles recht machen kann, ist bekannt. Von nun an jetzt reißt er uns mit hinein in seine Welt – eine Welt die von allen Anwesenden als herzlos, egoistisch und dominant wahrgenommen wird. Sogar das Geburtstagskind wird von ihm weder wahrgenommen noch gewürdigt. 

Sünde salonfähig?

Wenn so etwas nur einmal passiert, dann schaut man darüber hinweg, denn jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag. Wenn solch ein egoistisches Verhalten aber ein Wesenszug ist, dann ist es nicht okay, sondern eine Zielverfehlung – und laut Bibel ist dies Sünde. Das soll uns allen eine Warnung sein. Wir können wer weiß wie fromm sein und es trotzdem versäumen, die Eigenschaften des christlichen Charakters auszuleben. Erklären wir manche Sünden einfach als salonfähig? Keiner entscheidet sich bewusst dafür, herzlos, egoistisch oder dominant zu sein. Das sind einfach „blinde Flecken“ unseres Charakters, die nie angepackt worden sind und selten von anderen direkt angesprochen werden. Um eine angespannte Atmosphäre irgendwie noch zu retten, wird das Ego eines Egoisten eher gefüttert, um seine Laune positiv zu beeinflussen. Im schlimmsten Fall wird der Egoist nicht mehr ernst genommen oder gemieden. Das ist schade, denn es hilft niemandem. Wir alle sind mit Egoismus in unserem Blut auf die Welt gekommen.

„Egoistische Menschen denken nicht darüber nach, welche Auswirkungen ihre Worte, Taten und Launen auf die Gefühle Anderer oder auf die Atmosphäre einer schönen Gemeinschaft haben.“

Wie oft müssen wir Kindern sagen: „Vergesst nicht, mit anderen zu teilen!“ Während sie aufwachsen, lernen sie, dass offensichtlich selbstsüchtiges Handeln nicht gut ankommt, also werden ihre egoistischen Taten subtiler. Damit ist das Problem aber nicht behoben. Deshalb müssen wir darüber reden.

Liebe lernen?

Auch nachdem wir Christen geworden sind, betreibt unsere selbstsüchtige Natur weiter den Kampf gegen Gottes Geist. Egoismus ist oft schwer zu entdecken, weil wir ihn eher bei Anderen bemerken, nicht aber bei uns selbst. Dieser Egoismus hat unterschiedliche Erscheinungsformen und zeigt sich zum Beispiel in unseren Interessen, in unserem Umgang mit Zeit oder Geld und darin, wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Egoistische Menschen denken nicht darüber nach, welche Auswirkungen ihre Worte, Taten und Launen auf die Gefühle Anderer oder auf die Atmosphäre einer schönen Gemeinschaft haben. Sie wissen gar nicht, wie harmonisch eine Gemeinschaft ohne sie sein kann, weil sie diese nie erleben. Aber, so wie wir lernen müssen, dankbar zu sein, müssen wir auch die Gewohnheit entwickeln, rücksichtsvoll zu sein. Unser größtes Vorbild ist dabei Jesus: „Ihr wisst ja, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe für euch getan hat. Er war reich und wurde für euch arm; denn er wollte euch durch seine Armut reich machen“ (2. Kor. 8, 9). 

Rücksicht rauf?

Selbstlosigkeit oder Rücksicht werden uns höchstwahrscheinlich nicht das Leben kosten, aber sie haben ihren Preis: sie kosten Zeit und Geld. Sie fordern von uns, dass wir uns mehr für Andere interessieren und mehr Rücksicht auf sie nehmen. Weil Egoismus eher im Privaten ausgelebt wird und weniger in der Öffentlichkeit – weil wir uns da meistens zusammenreißen – fragen Sie doch Ihre Familie, ob sie Tendenzen zum Egoismus bei Ihnen sieht. Wenn ja, bitten Sie den Heiligen Geist, Ihnen Beweise Ihres Egoismus zu zeigen und Sie zu befähigen, diesen mit seiner Kraft entgegenzuwirken.

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