Vergeben ja. Aber vergessen?

Alltagstauglich

Noch so eine Frage der Entscheidung: Ob man vergeben will. Wie es rund um dieses Thema aussieht, besprechen Doris und Wilfried Schulte. Und konzentrieren sich dabei tatsächlich nur auf den ersten Teil der Überschrift. Was es mit dem Vergessen auf sich hat, erklären sie in der nächsten Ausgabe.

Dienen ist heutzutage out! Menschen, die für andere etwas tun, ohne gleich zu denken „Was bekomme ich dafür?“, trifft man immer seltener. Von Jesus, unserem größten Vorbild, heißt es: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen!“ (Markus 10,45). Er lebte, um anderen weiterzuhelfen, und nicht, um zu tun und zu lassen, was er wollte. Wie viele Menschen würden das über uns spontan sagen? 

Pflichtfach

Wenn wir uns gegenseitig dienlich sein wollen, einander das Leben leichter, bequemer und erfreulicher machen wollen, dann können wir das durchaus durch finanzielle oder praktische Hilfe tun, aber auch, indem wir uns gegenseitig vergeben. Aus Gottes Perspektive ist Vergeben kein Wahlfach im Lehrplan eines Christen, sondern ein Pflichtfach. Und die Prüfungen in diesem Fach sind auch nicht immer einfach. Doch jedes Mal, wenn wir unsere Prüfung im Fach Vergebung bestehen, erleben wir drei Dinge: Wir selber werden von feindseligen Gefühlen befreit, Menschen empfangen Heilung von Gott und unsere Gebete werden erhört. Vergeben bringt enorm viel Segen ins Rollen. 

Richtlinien

Damit das Gute ins Rollen kommt, braucht Gott uns als Diener, ob wir nun Täter oder Opfer sind. Egal, ob wir die Kränkung ausgelöst haben oder von ihr betroffen sind – den ersten Schritt zu tun, liegt immer an uns. Den müssen wir gehen. Epheser 4, 31 ist eine gute Zusammenfassung von Gottes Richtlinien zum Thema Vergebung: „Mit Bitterkeit, Jähzorn, Wut, gehässigem Gerede oder andren Gemeinheiten sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Seid vielmehr freundlich und barmherzig, immer bereit einander zu vergeben, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat“. 

Prozesse

Gott möchte, dass wir nicht einfach weitermachen. Wir sollen zum anderen hingehen. Uns mit ihm versöhnen und dann wieder ins Gespräch mit Gott kommen. Vergeben ist ein Prozess, und diesen Verbesserungsprozess, der positive Veränderungen mit sich bringt, sollen wir persönlich durchmachen. Wir sind aufgefordert, uns darum zu kümmern, dass die Mauern fallen. Wir sollen beides tun: unsere Fehler und unsere Reue bekennen. Dann sind wir frei und können zuversichtlich zu Gott kommen, wo wir auf offene Ohren stoßen. Wie und wann der andere reagiert, dafür sind wir nicht verantwortlich. Versöhnung kann spontan geschehen oder eine Zeitlang dauern. 

„Wir sind aufgefordert, uns darum zu kümmern, dass die Mauern fallen. Wir sollen beides tun: unsere Fehler und unsere Reue bekennen. Dann sind wir frei und können zuversichtlich vor den Thron Gottes kommen, wo wir auf offene Ohren stoßen. Wie und wann der andere reagiert, dafür sind wir nicht verantwortlich.“

Grenzenlos

Und was tun, wenn wir das Opfer sind? In Matthäus 18 spricht Jesus mit seinen Jüngern über die richtige Reaktion denen gegenüber, die uns falsch behandelt haben. Das Gespräch beginnt mit einer guten Frage von Petrus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er mir Unrecht tut?“ (v. 21) oder anders gefragt: Gibt es Grenzen? Nein, sagt Jesus. Es gibt keine Grenzen. Wir sollen bereit sein, immer wieder zu vergeben. Jesus nennt mit seiner Antwort eine unbegrenzte Zahl indem er sagt: „Nein, nicht 7–mal sondern 70 mal 7–mal!“ Vergebung ist grenzenlos. Vergebung ist ein Lebensstil. Weil wir Empfänger von Gottes unendlicher und großzügiger Barmherzigkeit sind, sollen wir bereit sein, auch anderen grenzenlos zu vergeben. Wenn wir das nicht tun, sind wir hartherzig (V. 32) und reiben uns wund an unserer Hartherzigkeit (V. 34 – 35). Mangelnde Barmherzigkeit oder eine übertrieben kritische Einstellung haben üble Konsequenzen. 

Barmherzigkeit

Was tun, damit Vergebung tatsächlich passiert? Denken Sie ganz bewusst über Gottes grenzenlose Barmherzigkeit Ihnen gegenüber nach. Orientieren Sie sich an Menschen in der Bibel, wie zum Beispiel an David in Psalm 103, oder an Menschen in Ihrem Umfeld, die bereit waren zu vergeben. Und bedenken Sie, wie viel Gutes das ins Rollen gebracht hat. Soweit wir uns Gottes Vergebung für uns vorstellen können, in genau dem Maße werden wir anderen auch vergeben können. Es geht letztendlich nicht um die Frage, ob wir es können, sondern ob wir es wollen. 

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