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Malen nach Zahlen

Ratgeber

Wer meint, mit dem Willen Gottes sei es wie mit den bekannten Malvorlagen, bei denen jedem Feld eine kleine Ziffer und damit die entsprechende Farbe zugeordnet ist, der kommt schnell durcheinander, wenn er wissen möchte, was Gott von ihm erwartet. Denn der gibt erstaunlich viel Freiraum, selbst zu entscheiden. Ein komplexer Bereich, anschaulich erklärt von Steffen Schulte.

„Gott, wie soll ich mich entscheiden?“ So oder so ähnlich haben viele schon mal gebetet. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, suchen Menschen immer wieder auch Gottes Rat. Aber manchmal scheint die Antwort auszubleiben. Dann und wann lesen wir vielleicht einen tröstlichen Bibelvers, wie zum Beispiel Jeremia 29,11: „Ich weiß wohl, welche Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch Zukunft und Hoffnung gebe.“ Solche Verse versichern uns, dass Gott gut ist, und deshalb wenden wir uns Rat suchend an ihn. Doch manchmal schweigt Gott, und das gerade in Situationen, in denen ein klares Wort so hilfreich wäre. Hinzu kommt häufig die Angst, dass wir uns falsch entscheiden und dann schlechte Dinge passieren. 

Warum will ich Gottes Willen kennen?

Bevor wir allerdings der Frage nachgehen, warum Gott uns manchmal nicht sagt, wie wir uns entscheiden sollen, müssen wir uns fragen, warum wir Gottes Willen suchen. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass ich oft aus falschen Gründen heraus nach Gottes Willen für mein Leben frage: Weshalb wende ich mich überhaupt an Gott? Möchte ich wirklich seinen Willen tun? Oder soll er mir Sicherheit geben? Kevin DeYoung beschreibt das Gebet eines Feiglings wie folgt: Herr, zeige mir, was ich tun soll, damit mir nichts Schlimmes zustößt und ich nicht in Gefahr oder ungewohnte Situationen komme.

Es ist sinnlos, Sicherheit als Gegenleistung für unseren Gehorsam einfordern. Wir können nicht sagen: Ich bin Gott gehorsam und dafür verhilft er mir zu gewissen Dingen in meinem Leben. Wenn wir so denken, dann wollen wir, dass Gott uns dient – und damit machen wir Gott zu einer Instanz, mit der wir einen Tauschhandel von Gehorsam gegen Sicherheit anstreben. Vielmehr sollten wir nach Gottes Willen fragen, weil wir ihm gehorchen wollen, ihm dienen und ihn verherrlichen wollen und nicht, um alles unter unsere Kontrolle zu bekommen. Aber selbst mit ganz reinen Motiven erleben wir, dass Gott schweigt. Das hat nichts damit zu tun, dass Gott kein Interesse an uns hätte. Auch nicht damit, dass er die Zukunft nicht kennen würde. In der Bibel finden wir drei verschiedene Arten oder Ebenen des Willens Gottes, und es ist sehr hilfreich, sie zu unterscheiden.

Gottes Wille hat diverse Dimensionen

Zunächst lesen wir zum Beispiel in Jesaja 46,10 von Gottes souveränem Willen: Ich habe von Anfang an das, was kommen wird, vorausgesagt, schon lange, bevor es Wirklichkeit wurde. Ich sage: „Was ich plane, steht fest. Alles, was mir gefällt, führe ich auch aus.“  Gott herrscht souverän über die Weltgeschichte, und das ist eine wunderbare Nachricht: Er hat die Kontrolle. Seine Pläne werden sich erfüllen. Dann gibt es Beispiele für seinen moralischen Willen oder – anders gesagt – dafür, wie Gott will, dass wir leben sollen. Das sehen wir anhand der Zehn Gebote, der Bergpredigt, aber auch an vielen anderen Stellen. Und es gibt seinen strategischen oder individuellen Willen. Die Geschichten von Gideons Berufung, Jonas Auftrag für Ninive oder Abrahams Aufbruch zeugen davon. Und dieser strategische oder individuelle Wille Gottes interessiert uns häufig am meisten, gerade wenn schwierige Entscheidungen anstehen. Doch nicht immer bekommen wir klare Anweisungen.  

Die Gemeinschaft mit Gott ist der Schlüssel

Warum sagt Gott uns nicht einfach immer, was wir tun sollen ist? Römer 12,2 gibt uns hilfreiche Anhaltspunkte dafür, dass Gott vielleicht eine ganz andere Strategie verfolgt: Deshalb orientiert euch nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt, sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut ist und ihn freut und seinem Willen vollkommen entspricht.

Gott hat also eine andere Priorität. Gott will, dass wir selber erkennen was gut ist und was seinem Willen entspricht. Oft stehen wir bereit wie ein guter Soldat, der auf Anweisungen wartet. Das ist gut, aber Gott will mehr. Er will nicht nur gefragt werden „Was soll ich in dieser oder jener Situation tun?“, sondern er zielt darauf ab, dass wir so eng mit ihm verbunden sind, dass wir erahnen können, was er in einer bestimmten Situation von uns möchte. Die Gemeinschaft mit ihm soll uns so sehr prägen, dass wir ein Gespür dafür bekommen, welche Entscheidungen Gottes Werten und Willen entsprechen. Außerdem offenbart uns Gott seinen spezifischen Willen nicht immer vorab, damit wir uns prüfen und unsere Ängste und Motive erforschen können. Dadurch lernen wir, selbst zu erkennen, was gut ist! Entscheidungsprozesse geben uns Einblick in die Tiefen unseres Herzens. 

Einige Fragen haben mir hierbei sehr geholfen:

  •     Was sind meine eigentlichen Motive? 
  •     Wovor habe ich Angst?
  •     Was fürchte ich zu verlieren?
  •     Was möchte ich erreichen?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, dann erkenne ich oft, dass Menschenfurcht, Stolz und andere Einstellungen in mir am Wirken sind und dann frage ich mich: Soll ich mich davon bestimmen lassen? Nach und nach gebe ich meine Ängste und Sorgen bei Gott ab. Gott ist die Quelle meiner Sicherheit und nicht Menschen, mein Job oder Besitz. Oft ist dies ein längerer Prozess, doch am Ende verschwindet der Nebel und ich sehe meistens klar was Gottes Wille ist.

Klare Anweisung versus freie Entscheidung

Wir haben oft Angst davor, dass nach einer falschen Entscheidung Ungutes passiert, was wir vermeiden möchten. Doch Gott lässt uns auch dann nicht auflaufen, wenn wir ehrlich nach seinem Willen fragen. Außerdem kann nichts Gott daran hindern, das zu erreichen, was er sich vorgenommen hat! Was sollen wir also tun, wenn die nächste Entscheidung ansteht? Frage Gott, was er darüber denkt, und prüfe dabei auch deine Motive und Ängste. Sei ehrlich zu dir selbst. Und wenn Gott dir die Richtung nicht ganz klar anzeigt, dann sieh das als Freiheit, zu gestalten. Nutze diese Freiheit um zu lernen und zu wachsen. Gott möchte mündige und mutige Kinder. 

Gottes Wille ist wie ein großes Bild: Gottes moralischer Wille bildet den Rahmen, innerhalb dessen wir malen dürfen. Dort gibt er uns Freiheit, unser Leben zu gestalten. Es gibt Phasen, die fühlen sich vielleicht an wie "Malen-nach-Zahlen", aber es gibt auch Phasen, in denen wir das Gefühl haben, frei zu zeichnen. Wichtig ist nur, dass wir nicht über den Rand hinaus malen.

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