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Das hab ich doch nicht gewollt!

Ratgeber

Das Leben ist voll von Situationen, in denen Menschen durch die Entscheidungen anderer beeinflusst und geprägt werden. Ohne selbst irgendetwas dazu oder dagegen tun zu können. Den einen macht das nicht viel aus. Andere aber leiden extrem unter dieser Form der Fremdbestimmung und fragen sich, wie sie damit zurechtkommen sollen. Siegbert Lempfuhl gibt Rat.

Wie gehe ich mit Entscheidungen um, die über mich hinweg für mein Leben getroffen wurden? Jeder von uns möchte doch Freiheit haben, selbst über sein Leben zu entscheiden, oder? Ganz bestimmt ist dieser Wunsch verankert in der Schöpfung Gottes. Er hat uns diese Freiheit gegeben, indem er schon im Paradies dem Menschen zutraute, gute Entscheidungen zu treffen. Sicher gab es schon von Anfang an auch Grenzen einzuhalten. Dennoch steuerte Gott den Menschen nicht fern, sondern ließ ihn entscheiden und die positiven wie auch negativen Folgen seiner Entscheidungen tragen. Das ist der Idealfall, den Gott geschaffen hatte. So geht er noch heute mit uns, seinen Kindern, um. In der Bibel ermahnt er uns zum Beispiel, dass wir uns für einen guten Weg entscheiden sollen. Nachzulesen im 5. Buch Mose, Kapitel 11, Vers 26.

Die Konsequenzen

Wenn wir auf unser Leben schauen, dann ist es oft anders. Manchmal wurden Entscheidungen für unser Leben von den Eltern getroffen und wir hatten mit den Konsequenzen dieser Entscheidung unsere Mühen. Mitunter sind es verständliche Gründe wie Zeitdruck oder Komplexität einer Lebensentscheidung. Eltern haben manchmal die Konsequenzen für ihre Kinder nicht im Blick. Sie denken, das Beste für ihre Kinder zu entscheiden. Ein oft benutztes Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Gut gedacht ist nicht immer gut gemacht!“ Bei der Erziehung unserer Kinder ist ein Haus mit einem stabilen Fundament ein guter Vergleich. Das Fundament könnte auch emotionale Sicherheit heißen, im Wohnbereich des Hauses leben wir zusammen mit viel Humor und Kommunikation, und das Dach sorgt mit gut durchdachter Konsequenz dafür, dass es im Haus behaglich bleibt. Bei TEAM.F wird im Programm „Kinder stark machen“ dieses Haus entwickelt. Dabei werden viele Einzelheiten des Erziehungsalltags behandelt. Emotionale Sicherheit als Fundament bedeutet, dafür zu sorgen, dass ein Kind mit seinen Gefühlen ernst genommen wird. Hier sind Lebensentscheidungen ein sensibler Bereich. Besonders stark empfinden Kinder einen Wohnortwechsel. So ein Wechsel kann verschiedene Gründe haben. Der Arbeitsmarkt fordert von uns Flexibilität. Eine Scheidung der Eltern zieht oft eine Fülle von Veränderungen nach sich. Kinder von Missionaren oder auch Entwicklungshelfern erleben, wie ihre Eltern in andere Länder oder Kontinente wechseln, um dort Menschen zu helfen. Schnell empfindet hier ein Kind, dass seine Eltern Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen haben. 

Die Lebensentscheidungen

Ich habe mich bei Missionaren und Missionsorganisationen umgehört und dankbar festgestellt, dass heute dieser Aspekt von Lebensentscheidungen planmäßig mit einbezogen wird. Jedes Familienmitglied sollte auf geeignete Weise an der Entscheidungsfindung mitwirken. Aber nicht immer gelingt es. Bedingt durch die alleinige Entscheidung der Eltern, Missionare zu werden, musste ein Bekannter von uns folgendes erleben:

•    Er hatte keine Freunde und wurde einsam. Ein anderer Kulturkreis verstärkte diese Einsamkeit. Da er auch keine Geschwister hatte, erlebte er die Isolation sehr tief.
    
•    Zur Arbeit der Eltern hatte er keinen Zugang. Er wurde auch in ihre Gedanken und Entscheidungen nicht einbezogen. So hielt er sich fern und seine Einsamkeit wurde verstärkt.

•    Die Folge war, dass der Gott seiner Eltern nicht sein Gott sein konnte und er sich noch mehr von seinen Eltern löste.
    
•    Er suchte nach seiner Rückkehr nach Deutschland Kontakt und fand Freunde, die aber eher einen negativen Einfluss auf sein Leben hatten. So wurden Drogen ein Ersatz für alle bisherigen Defizite und er fand keine Perspektive mehr für sein Leben.

Wie wird sein Lebensweg weitergehen? Er muss sich entscheiden, auch wenn bisher eher über ihn entschieden wurde. Er erlebt auch die fehlende emotionale Sicherheit seitens seiner Eltern und muss mit viel Mühe an sich arbeiten. Ob es ihm gelingen wird?

Die Entwurzelung

Nicht alle Eltern werden Missionare, und dennoch sind ständig Entscheidungen zu treffen, bei denen Kinder mit einbezogen werden sollten. Oft haben sie Auswirkungen auf ihr ganzes Leben. Ein Wohnortwechsel ist sicher fundamental. Ich vergleiche es mit einer Blume, die in einen neuen Topf mit neuer Erde gepflanzt wird und benutze wieder einen allgemein bekannten Vergleich: „Vorsicht vor Entwurzelung“. Es betrifft ja nicht nur die Wohnung und das eigene Zimmer, das neu wird. Beziehungen werden abgebrochen und neue Freunde müssen gefunden werden.

„Wissenschaftler haben entdeckt, dass Versäumnisse der Kindheit unser ganzes Leben hindurch korrigiert werden können. Keiner von uns ist also durch frühere Ereignisse für immer festgelegt.“

Natürlich gibt es E-Mail, WhatsApp und Skype, um Freundschaften weltweit zu pflegen. Dennoch sind diese Medien kein Ersatz für gelebte Beziehungen. Die schulische Bildung ändert sich. Entscheidungen über Schulform, Abschlüsse und Ausbildung sind von großer Bedeutung für unser Leben. Jedermann hat unterschiedliche Neigungen und Begabungen. Eltern brauchen viel Zeit und Einfühlungsvermögen, um ihre Kinder und Teenager zu guten Entscheidungen zu führen. Bei einem Wechsel des Wohnortes wirkt sich die Frage nach Schule und Ausbildung stark aus und sollte keinesfalls übersehen werden. 

Sämtliche Freizeitaktivitäten müssen neu gefunden und aufgebaut werden. Klar, der PC muss nur angeschaltet werden und braucht einen guten DSL-Anschluss. Wir müssen uns aber immer wieder deutlich machen, dass dieses Gerät kein Ersatz sein kann für die sportliche Betätigung im Fußballverein, die Fahrradtour durch den Wald oder das Schwimmen gehen mit Freunden.

Auch eine musische Neigung zu Musik oder anderer Kunst kann durch einen Wohnortwechsel stark beeinflusst werden. Jede Entscheidung kann also weitreichende Folgen haben. 

Die Perspektive

Wie gehe ich nun damit um, wenn über mich hinweg etwas entschieden und damit mein Leben in der Konsequenz stark beeinflusst wurde? Lange wurde von Psychologen und Therapeuten propagiert, dass elterliche Versäumnisse der ersten Lebensjahre nicht nachholbar sind. Gibt es also keine Hoffnung? Bei Gott ist natürlich alles möglich. Wo Vater und Mutter uns verlassen haben – die oben genannten Entscheidungen sind manchmal ein Verlassenwerden – nimmt der Herr uns auf. So steht es in Psalm 27 Vers 10. Wissenschaftler haben entdeckt, dass Versäumnisse der Kindheit unser ganzes Leben hindurch korrigiert werden können. Keiner von uns ist also durch frühere Ereignisse für immer festgelegt. Die Schematherapie spricht von „Reparenting“ also „Nachbeelterung“. Der Begriff Nachbeelterung lässt uns ahnen, dass wir versäumte Dinge später noch lernen und gute Erfahrungen machen können. Lassen Sie sich ermutigen. Gott führt uns in Freiheit und Eigenständigkeit. Beantworten Sie die Frage, wie Sie persönlich mit Entscheidungen umgehen, die über Sie hinweg gefällt wurden, doch mit dieser göttlichen Ermutigung.

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