Wenn alle Pläne plötzlich durchkreuzt sind

Persönlich

Menschen, zu denen wir aufschauen, Gott sei Dank gibt es sie noch. Elke Werner ist einer von ihnen. Ihr freundliches Wesen, ihre herzliche Art, ihr reicher Schatz an Erfahrung und Weisheit. Eigenschaften, die sie zum Vorbild für viele gemacht haben. Hier erzählt sie, zu wem sie selbst aufschaut.

Es gibt viele Vorbilder in meinem Leben. Ältere und jüngere Menschen, auch viele Mitchristen, die mich geprägt, gefördert, herausgefordert haben. Menschen, mit denen ich eine Wegstrecke gemeinsam gegangen bin, Menschen, die ich persönlich gut kenne. Aber es gibt auch viele Vorbilder, die ich lange Zeit nur aus ihren Biografien oder ihren Büchern kannte. Eine davon ist Joni Eareckson Tada. 

Ich bin ungefähr so alt wie sie. Als junge Christin war ihre Lebensgeschichte für mich total prägend. Joni lebte in den USA. Sie war 17 Jahre alt, als sie bei einem Kopfsprung ins Wasser verunglückte und ab diesem schrecklichen Moment vom Kopf abwärts gelähmt ist. Ihr Buch, das von ihrem Kampf mit diesem Lebensweg ehrlich berichtet hat, von ihren enttäuschten (enttäuschenden?) Beziehungen zu gleichaltrigen Männern, in die sie verliebt war, von den hilflosen Versuchen anderer, ihr zu helfen, hat mich damals tief und nachhaltig beeindruckt. Wie hätte ich reagiert, wenn mir so etwas zugestoßen wäre? Für immer auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, sich selbst nicht waschen oder kämmen zu können, nicht mehr zu laufen, nicht mehr etwas anzufassen, nur noch mit dem Mund malen zu können, wie kann man da weiter an Gott glauben? Was, wenn alle hoffnungsvollen Pläne für die Zukunft durchkreuzt werden? 

Joni hat mich geprägt. Als ich selbst mit Mitte Zwanzig an Krebs erkrankte und nicht klar war, wie lange ich noch leben würde, stand mir Joni mit ihrem Schicksal wieder vor Augen. Sie war zu diesem Zeitpunkt immer noch an den Rollstuhl gefesselt, aber gleichzeitig immer noch eine aktive und engagierte Christin. Sie hatte ihr Vertrauen in Gott nicht verloren, sondern ihren Lebensweg angenommen und das Beste daraus gemacht. Sie hat sich um andere Behinderte gekümmert. Ich wusste in meiner Zeit im Krankenhaus und während der ein Jahr andauernden Chemotherapie, dass ich wie Joni Gott vertrauen konnte. Dass er einen guten Weg mit mir gehen wird, auch wenn das heißt, auf so manchen Lebenstraum, wie zum Beispiel viele Kinder zu bekommen, zu verzichten und anzunehmen, was Gott mir auferlegt. Joni hat mir als mein Vorbild in dieser schweren Zeit geholfen, ohne dass wir Kontakt zueinander hatten.

„Sie sprach tröstende Worte, lenkte unseren Blick weg von ihrem Rollstuhl auf Jesus, den sie liebt und dem sie dient.“

Bis heute leitet Joni eine internationale Hilfsorganisation, die Rollstühle in alle Welt verschickt, Menschen mit Behinderung versteht und ihnen Trost und Hilfe anbietet. „Joni and friends“ heißt das Missionswerk, das sie gegründet hat. Auch das ist ein Vorbild für mich: Man kann etwas erreichen, wenn man sich gemeinsam mit Freunden für eine Sache einsetzt. Ihr Leben lebt sie nicht im Selbstmitleid versunken, sondern sie leidet mit anderen und gibt die Liebe Gottes an die weiter, die sich nicht von ihm geliebt fühlen. 

Vor einigen Jahren traf ich Joni kurz, denn auf einem Kongress der Lausanner Bewegung kam sie als Rednerin auf die Bühne. Im Rollstuhl. Sie sprach tröstende Worte, lenkte unseren Blick weg von ihrem Rollstuhl auf Jesus, den sie liebt und dem sie dient. Und dann drückte sie ihre Liebe zu Jesus für uns Teilnehmer der Konferenz sichtbar aus: sie tanzte für ihn mit ihrem Rollstuhl. Mich hat das sehr bewegt. Joni lässt sich nicht vom Rollstuhl und ihrer Lähmung beherrschen, sie beherrscht den Rollstuhl und nutzt ihn, um Gott Ehre zu geben. 

Mittlerweile bin ich mit Joni gemeinsam im Internationalen Vorstand der Lausanner Bewegung. Wir sind uns noch nicht persönlich begegnet, haben aber schon mehrere Telefonkonferenzen gemeinsam abgehalten. Ich freu mich drauf, mein großes Vorbild bald einmal bei einer Sitzung zu treffen und ihr zu sagen, welche Rolle sie in meinem Leben gespielt hat. Sie hat mir gezeigt, dass Gott keine Fehler macht. Und dass er uns nicht allein lässt auf den Wegen, die er uns gehen lässt. Sie hat mir vorgemacht, dass man auch in Schwachheit stark sein kann.

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