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Castingshows - Wenn das Leben nur Momentaufnahme ist

Standpunkt

DSDS, X-Factor, the Voice, GNTM – das sind nur einige der Formate, die millionenfach geschaut werden und dem Gewinner am Ende Ruhm, Erfolg und Ehre versprechen. Das, was man „scripted reality“, also „durchs Drehbuch optimierte Realität“ nennt, macht auf unzählige Zuschauer den Eindruck, wahr, echt und nachahmenswert zu sein. Idole werden erschaffen, auch aus Gründen der Zuschauerbindung und des Erhalts von Marktanteilen. Hauptzielgruppe: Junge Menschen. Drei von ihnen leben in Mosbach und setzten sich zusammen um das Phänomen aus ihrer Perspektive zu erklären.

„Ich habe heute leider kein Foto für dich!“ – den meisten von uns ist dieses Zitat von Heidi Klum geläufig. Kein Wunder, es fällt ja auch in jeder Folge von Germany’s next Topmodel, einer Castingshow, die vor allem in unserer Generation mehr als nur beiläufig bekannt ist. Für die, die GNTM nicht kennen: Mädels ab 16 Jahren, mit dem Traum Model zu werden, können sich bei einem öffentlichen Casting vorstellen und 25 von ihnen werden mit auf die Reise genommen. In sogenannten Challenges werden die Mädchen auf die Probe gestellt und für das spätere Modelleben vorbereitet. Doch nur eine von ihnen kann Germany’s next Topmodel werden, das dann bei einem großen Finale in Deutschland gekürt wird. Ab dem Start im Februar ist es das Topthema überall. Doch wieso? Weil Heidi Klum oder die Mädels Vorbilder für uns sind? Weil wir so sein wollen wie sie? Und wenn ja, warum? Seien wir ehrlich, die Meisten von uns haben sich schon mal so eine Figur gewünscht. Auch der Ehrgeiz und der Mut, an so einer Show teilzunehmen, würden uns manchmal guttun. Doch wären wir wirklich gerne wie sie? Was bedeutet es überhaupt, so wie sie zu sein? Und wen nehmen wir uns eigentlich als Vorbild? 

Ein Beispiel, nach dem man sich richtet

Wir haben einen Blick in den Duden geworfen: Ein Vorbild ist eine Person oder Sache, die als [idealisiertes] Muster, als Beispiel angesehen wird, nach dem man sich richtet.  Nachdem wir uns bei einer Tasse Tee darüber unterhalten hatten, stellten wir fest, dass wir unsere Vorbilder nach unseren Werten auswählen. Personen, die uns Werte vermitteln oder deren Werte wir teilen, werden also unsere Vorbilder. Uns ist aufgefallen, dass wir diese zuallererst in unseren Familien finden, vor allem in unseren Eltern. Sie haben uns unser Leben lang Werte mitgegeben, die wir auf eigene Art und Weise füllen und leben. Darüber hinaus hat Amy zum Beispiel in ihrem Urgroßvater und Großvater im Blick auf deren Beziehungen zu Gott, ihrer Stärke im Gebet und ihrer Art und Weise, ihre stille Zeit zu verbringen, Vorbilder gefunden. Elena sieht auch in ihren Paten Vorbilder. Besonders schätzt sie deren Interesse, welches sie sowohl für sie als auch für andere Menschen aufbringen und für diese im Gebet einstehen. Dies wurde für sie zu einem ihrer Werte.

„Seien wir ehrlich, die meisten von uns haben sich schon mal so eine Figur gewünscht.“

Alina hat in den Leitern einer christlichen Sommerfreizeit ein Vorbild gefunden, vor allem in Bezug auf ihre Beziehungen und ihren Umgang mit Menschen und Gott. So haben wir drei mehrere Vorbilder auf unterschiedlichen Ebenen. Unsere Entscheidungen hängen von unseren Werten ab. Unsere Werte sind Teil unseres Charakters, Vorbilder und Werte sind also sehr wichtig. Trotzdem möchten wir nicht unbedingt so sein wie sie - denn das würde ja bedeuten, dass wir nicht mehr wir selbst sein wollen.

Ein Gegenstand schwärmerischer Verehrung

Oft hört man die Begriffe Idole und Vorbilder im selben Zusammenhang. Woher kommt das? Wir warfen erneut einen Blick in den Duden: Ein Idol ist jemand oder etwas, der als Gegenstand schwärmerischer Verehrung, meist als Wunschbild von Jugendlichen, verwendet wird. Ist das dasselbe wie ein Vorbild? Wir finden nicht. Und schon die Definition weist eindeutige Unterschiede auf. So werden Vorbilder als Muster und Beispiele angesehen, Idole werden schwärmerisch verehrt. Besonders überrascht hat uns, dass sogar im Duden steht, dass Idole meist Wunschbilder von Jugendlichen sind. Wir stellten uns die Frage, woran das liegen könnte, und es entbrannte eine lebhafte Diskussion. Dabei entstanden mehrere Ideen. Einerseits sind wir als Jugendliche leichter beeinflussbar, da wir uns selbst noch nicht unbedingt gefunden haben und somit schnell in Schwärmerei verfallen. Allerdings ist diese ja oft nur oberflächlich und entsteht aufgrund von dem, was wir von Schauspielern oder Stars durch das Fernsehen mitbekommen. Uns fiel auf, dass man eigentlich viel leichter anfangen kann für Stars zu schwärmen als für Jesus, da wir von diesen, dadurch, dass sie im Hier und Jetzt leben und ständig in den Medien präsent sind, mehr mitbekommen. So entsteht leicht das Gefühl, dass man sie kennt und mit ihnen verbunden ist. Obwohl die Verbindung mit Jesus real ist und wirklich existiert, fühlt sie sich manchmal anders an. Andererseits finden wir, dass Idole nichts Schlechtes sind, solange man nur für sie schwärmt und sie nicht beginnt zu verehren. Letztendlich sieht man doch bei den Idolen nur den Teil ihrer Persönlichkeit, den man sehen soll, und nicht die ganze Wahrheit. 

Wo wir unsere Vorbilder suchen und finden

Und genauso ist es auch bei den Castingshows. Es gibt sehr viele, auch unterschiedliche, dieser Shows, doch das Eine haben sie alle gemeinsam. Bei allen geht es darum, dass Menschen ihre Talente beweisen oder etwas erlernen. Außerdem erfährt man immer nur einen Teil aus ihrem Privatleben, der uns ein Bild von ihnen gibt, das möglicherweise gar nicht stimmt. Ehrlich? Ja, wir schauen Castingshows. Ja, einige davon schauen wir auch regelmäßig. Aber als wir darüber redeten, stellten wir fest, dass wir sie eigentlich weniger wegen der Teilnehmer, sondern mehr wegen der allgemeinen Belustigung schauen. Unsere Meinungen sind zweigeteilt: Es gibt Momente, in denen wir beeindruckt, in denen wir fasziniert sind - es gibt aber auch wenigstens genauso viele Momente, in denen wir nur den Kopf schütteln, müde lächeln und so überhaupt nicht beeindruckt sind.

Wir haben für uns festgestellt, dass wir unsere Vorbilder in anderen Bereichen suchen und Castingshows eher als Entertainment-Programm schauen. Wir sind uns aber durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die sich ihre Vorbilder und Idole in Castingshows suchen - wir bezweifeln allerdings, dass man dort die Werte findet, die wir für wichtig halten. Vielmehr sollte man sich Vorbilder in Menschen suchen, mit denen man eine Beziehung hat, deren Werte man nachvollziehen kann und teilt und bei denen man sich sicher sein kann, dass das Bild, das man von ihnen hat, nicht nur zusammengeschnitten und dadurch komplett falsch, sondern bekannt und wahr ist.

Magazin Frühling 2017

„Trotzdem möchten wir nicht unbedingt so sein wie sie – denn das würde ja bedeuten, dass wir nicht mehr wir selbst sein wollen.“

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