Wenn Liebe nicht ankommt

Ratgeber

Das weiß doch jedes Kind! Oder nicht? Ist doch klar, dass alle Eltern alle ihre Kinder lieben. Oder nicht? Heidi Goseberg setzt sich therapeutisch und aus eigener Erfahrung damit auseinander, warum Elternliebe manchmal nicht bei den Kindern – egal welchen Alters – ankommt. Und sie stellt fest, dass es in den meisten Fällen nicht am Kind liegt.

Ein Kind ahnt nicht, dass es geliebt wird, wenn Eltern es nicht ausdrücklich sagen und zeigen. Also, finden Sie Wege zum Herzen Ihres Kindes, verSICHERN Sie Ihre Liebe mit Worten und Taten jeden Tag neu. Auch wenn es Ihnen nicht liegt oder Sie es selbst vermisst haben, braucht Ihr Kind viele kleine Liebesbeweise im Alltag wie die Luft zum Atmen. Das beachten Sie schon und haben dennoch das Gefühl, dass Ihre Liebe nicht ankommt? Das kann passieren und es ist gar nicht so selten. Manche Eltern nehmen das als persönliches Versagen, andere halten ihr Kind für undankbar – beides trifft meistens nicht zu.

Seit Gary Chapman weiß eigentlich jeder, dass wir unterschiedliche Liebessprachen sprechen und für Liebe unterschiedlich erreichbar sind. Und doch passiert es im Alltag immer wieder, dass ich anderen meine Liebe zeige, wie es mir selbst am meisten entspricht. Ich erinnere mich genau an eine Überraschungsparty, die ich mit viel Mühe und Kreativität zum 18. Geburtstag meiner Tochter ausgerichtet hatte. Dabei hätte ich wissen müssen: Überraschungen – das ist meine Liebessprache, bei ihr lag ich gründlich daneben! Nach der ersten Schrecksekunde und ein paar Tränen, hat sie sich glücklicherweise arrangiert. Ihren abschließenden Kommentar: „Danke Mama, aber das brauchst du nie wieder zu machen!“, habe ich mir jedoch sehr zu Herzen genommen. Wie schön, dass wir so unterschiedlich sind; einer ist mehr für Nähe erreichbar, ein anderer liebt die gemeinsame Zeit oder kleine Aufmerksamkeiten … die Liebessprache sorgt dafür, dass die Liebe im Herzen ankommt – genial, dass jemand darauf gekommen ist.

Nicht automatisch gut

Allgemein sind es meist Persönlichkeitsunterschiede, die grundsätzlich für Spannungen in Beziehungen sorgen. Nicht alle Beziehungen in einer Familie entwickeln sich automatisch gleich gut. Es gibt eben Temperamente, die besser miteinander harmonieren als andere. In einer Umfrage gingen sowohl viele Eltern wie auch Lieblingskinder sehr offensiv mit diesem Thema um und bekannten sich freimütig dazu. Und wer kein Liebling ist, hat Pech gehabt? Wie traurig!

„Danke Mama, aber das brauchst du nie wieder zu machen!“

Darf man Liebe und Aufmerksamkeit allein nach Sympathie verteilen? Dann sind sie nicht mehr bedingungslos und bieten einen fruchtbaren Boden für Geschwisterneid und andere Verhaltensauffälligkeiten. Wie soll ein Nicht-Liebling verstehen, dass er die Neigung oder Abneigung der Eltern nicht persönlich nehmen darf? Unterschiede machen lediglich deutlich, dass sich manche Beziehungen entspannter gestalten, während andere eher gespannt sind. Besonders die ausgeprägten Gegensätze bzw. hohe Übereinstimmung sorgen für Reibungspunkte im Alltag. Auch daraus können sich warmherzige Beziehungen entwickeln, dafür gibt es anschauliche Beispiele in unserer Familie. Ich habe anfangs in einer „spannenden“ Beziehung sehr gelitten und bin so dankbar, dass ich frühzeitig den Schlüssel zur Lösung des Problems gefunden habe. Es war nicht meine Unfähigkeit oder das schwierige Kind, sondern einfach unsere besondere Konstellation. Dass wir heute mit ihrer Familie in einem Mehrgenerationenhaus leben und freundschaftliche Beziehungen pflegen, ist für mich nicht selbstverständlich, sondern ein großes Geschenk. Das kostet zwar Beziehungsarbeit, ist aber allen Einsatz wert.

Liebe geht nicht den bequemen Weg

Wenn Sie eine Grenze setzen oder eine Konsequenz ausführen und Ihr Kind kontert: „Mama, du hast mich gar nicht lieb!“ beeindruckt das beziehungsorientierte Eltern tief und in der Tat bin ich manchmal eingeknickt – Strategie des Kindes erfolgreich!

Meine wichtige Lektion, dass zu nachgiebige Eltern aus vielerlei Gründen, aber nicht aus purer Liebe handeln, habe ich gelernt. Nötige Verhaltenslenkung stößt nicht immer auf Gegenliebe, aber auch das ist liebevolles Elternverhalten. Das Kind darf sich ärgern, verstehen Sie seinen Unmut, aber machen Sie auch deutlich, dass dies nichts an der Abmachung ändern wird. Erklären Sie, dass Sie solche Auseinandersetzungen nicht führen, um es zu ärgern, sondern weil Sie es lieb haben. So mit ins Boot genommen, zeigen sich Kinder manchmal sogar einsichtig.

Und sie geben Signale, wenn sie sich nicht geliebt fühlen. Manche verhalten sich besonders angepasst, um so die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen. Andere „arbeiten“ hart dafür und wieder andere versuchen eben, negative Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn es auf dem braven Weg nicht gelingt – alle verfolgen das gleiche Ziel. Resignieren Sie nicht, wenn es in einer Ihrer Familienbeziehungen hakt. Es gibt immer eine Lösung!

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