https://neues-leben.de/

Kann ich Liebe erzwingen?

Gesellschaft

Heute Morgen habe ich schweren Herzens meine Familie für zwei Wochen verabschiedet. Mein Bruder und seine Frau haben ein Kind bekommen. Leider ist es nicht ganz gesund und Julia und die Kinder besuchen die Familie, um im Haushalt auszuhelfen.

Es fällt mir schwer, sie gehen zu lassen. Gerade in solchen Situationen merke ich, wie sehr ich meine Familie liebe. Ich liebe sie so sehr, dass ich sie am liebsten bei mir behalten würde. Und mit ihnen soll ihre Liebe da bleiben!

Doch welches Recht hätte ich dazu? Könnte meine Liebe sie zwingen zu bleiben, damit es mir gut geht? Hab ich ein Recht darauf, dass sie bei mir sind und mich lieben? 

Liest man in der Charta der Menschenrechte, findet sich dort kein Recht auf Liebe. Am nächsten kommt man dieser Idee noch mit dem Artikel 16, wo es heißt: „Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne Beschränkungen auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht zu heiraten und eine Familie zu gründen.“ Doch das Wort Liebe findet sich auch hier nirgendwo.

Wenn man „Recht auf Liebe“ in eine Suchmaschine eingibt, erhält man viele Treffer bezüglich eines deutschen Films über das Leben der Beate Uhse. Inhalt des Films ist der Gedanke, der Frau Uhse dazu brachte, den ersten Sexshop Deutschlands zu eröffnen, nämlich dass jeder Mensch das Recht hat, Sexualität so auszuleben, wie er möchte. Ähnliche Inhalte finden sich, gibt man „Menschenrecht auf Liebe“ ein. Hier trifft man zum Beispiel auf diverse kleine Amnesty International-Gruppen, die sich für Rechte in Sachen Sexualität und gegen Homophobie engagieren, oder einen Mann, der unter dem Synonym Victor Leberecht für die Legalisierung der Mehrfachehe unter Verweis auf ein angebliches Recht auf Liebe wirbt.

Was auffällt ist, dass es bei den öffentlich vertretenen Forderungen nach einem Menschenrecht auf Liebe in erster Linie um den sexuellen Aspekt geht. Und nicht um all die anderen Dimensionen der Liebe, der zwischenmenschlichen Verbindlichkeit oder Gefühle zum Beispiel. Zudem betreffen diese Aufschreie fast immer völkische Minderheiten oder sie werden von Menschen vorgebracht, die sich persönlich in ihrer Lebensgestaltung benachteiligt fühlen. 

Forderungen solcher Art werden „Menschenrechte der dritten Generation“ genannt und häufen sich seit den 1970er-Jahren. „Ganz generell zeigt sich in unserer Gesellschaft die Tendenz, in jeder subjektiv empfundenen Beeinträchtigung der eigenen Rechtsperson, in jedem von unserer Rechts- und Sozialordnung nicht erfüllten Wunsch eine Menschenrechtsverletzung zu sehen. Das führt zu einer Überstrapazierung und damit zu einer Aushöhlung des Begriffs der Menschenrechte“, sagt der ehemalige Richter des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Franz Matscher. Und fügt Beispiele hinzu, in denen es absurderweise um das geforderte Menschenrecht auf Rauchen, Reisen und Drogen geht.

Solche Rechte sind extrem schwierig zu belegen, abzugrenzen und noch schwerer durchzusetzen. So wird etwa schnell klar, dass ein Recht auf Liebe auf der einen Seite inhaltlich schwer zu definieren ist, und auf der anderen Seite nicht zweckmäßig wäre. Denn wie gesagt: Welchen Wert hätte Liebe, wenn sie erzwungen ist?

Niemand kann gezwungen werden zu lieben. Niemand kann fordern, geliebt zu werden. Aber jeder hat die reelle Chance auf echte, freiwillige Liebe: Gott, der Schöpfer der Menschheit und Erfinder der Liebe, macht sich hier zum einzigartigen Vorbild. Indem er sich nicht abhalten lässt, uns liebevoll zu umwerben. Mit jedem neuen Sonnenaufgang, mit jedem neugeborenen Kind, mit der sanften Berührung seiner Gegenwart. Das Vorrecht, von ihm geliebt zu werden, haben wir nur deshalb, weil er sich festgelegt hat, uns bedingungslos zu lieben.

Magazin Frühling 2016

Jetzt das gedruckte Magazin bestellen

Lesen Sie das Magazin gemütlich auf Papier. Bestellen Sie jetzt ihr eigenes Printmagazin und lesen Sie 4x/Jahr gute, christliche Ratgeber-Inhalte. Denn NEUES LEBEN ist kostenfrei im Abo erhältlich.